Hoheiten off the record

Warum Treffen mit dem niederländischen Thronfolgerpaar für Journalisten Zeitverschwendung sind

Die Party gekapert – so kann man wohl nennen, was Willem Alexander, der angehende König der Niederlande, und seine Gemahlin Maxima neulich taten. Eigentlich hatte ja die Vereinigung der Auslandskorrespondenten Geburtstag. Weil es der 85. war, lud sie sich zwei besondere Gäste ein: das Thronfolgerpaar. Vom Moment ihrer Zusage an stand das Geburtstagskind auf seiner Fete dann am Rand. Im Mittelpunkt emsiger Betriebsamkeit dagegen die königlichen Hoheiten.

Dass letztere Anrede im 21. Jahrhundert noch ironiefrei Verwendung hat, machte der Hofstab schon im Vorfeld klar. Penetrant diktierte er den Organisatoren den Knigge, unter dem Willem und Maxima es nicht machen. Nicht nur die besagte Anrede gehört dazu, sondern auch ein straff sitzender Maulkorb: keinesfalls sollte der beiläufige Small Talk der Öffentlichkeit zu Ohren kommen. Und keine Fragen, bitte, nicht über die skandalumwitterte Prinzenvilla in Mosambik, die Zukunft der Monarchie oder den königlichen Nachwuchs. Stattdessen gab es ein lustiges Spiel: Rollentausch! Die Hoheiten fragen die Journalisten über ihre Arbeit. Sage noch einer, Monarchie mache unkreativ.

Es ist eine kurze Leine, an der das Haus Oranje- Nassau die Presse hält. Seit 2005 verbietet einen eigener “Mediencode”Journalisten, seine Mitgliedern jenseits der offiziellen Termine zu nahe zu rücken oder sie zu fotografieren. Dahinter stand der Schutz königlicher Privatsphäre vor aufdringlichen Boulevardmedien. Die Royals als Celebrities: dieses journalistische Paradigma ist so symptomatisch wie essentiell für eine Gesellschaft, die eher am Privatleben des Prinzen interessiert ist denn an seinem zukünftigen politischen Einfluss. Die scheinbar respektlosen Paperazzi bauen am Sockel kommender Denkmäler, die Macht der Oranjes erscheint als Folklore, und im Frühling gibt es wieder das beliebte Massenbesäufnis zum Koninginnedag.

Dass Willem und Maxima die Party beehrten, brachte denn auch ihre Gefolgschaft auf den Plan. Die Königshaus- Reporterin, die mit den Hoheiten um den Globus jettet.Oder RTL Boulevard, wo man sich über Korrespondenten wundert, die so gut wie nie über ihre Lieblinge berichten. Das Thronfolgerpaar im Übrigen scherte sich dann gar nicht darum, wie man sie anredet. Sie stellten ihre Fragen, schüttelten Hände und machten Witze. Ist es nicht herrlich, wie locker sie sind?

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