Wilders will den Westen retten

Nicht nur die Niederlande haben ein Problem mit dem Islam, sondern der “gesamte freie Westen”. Darum will Geert Wilders ein internationales Netzwerk gründen.

“Defend freedom. Stop Islam.” Den Kern seiner Botschaft formulierte Geert Wilders auf englisch, um seine neuen Ansprüche zu untermauern: Da nicht allein die Niederlande, sondern der “gesamte freie Westen” ein Problem mit Islamisierung und Zuwanderung von Muslimen hätten, strebt der Chef der Partij voor de Vrijheid (PVV) die Gründung einer “internationalen Organisation” an. Wilders, dessen islamfeindliche PVV im Juni drittstärkste Partei bei den niederländischen Parlamentswahlen wurde, machte diese Ankündigung am Donnerstag in einem Gespräch mit der Boulevardzeitung De Telegraaf. Die Geert Wilders International Freedom Alliance (IFA) visiert zunächst fünf Länder an: Kanada, USA, Deutschland, England und Frankreich. Ende des Jahres soll das Netzwerk funktionsfähig sein.

Wilders will in den nächsten Monaten in diesen Ländern Partner rekrutieren. Dem Problem der Islamisierung müsse im internationalen Rahmen begegnet werden. Er selbst werde sich zwar zu 99 Prozent seiner Partei widmen, trage aber “eine Verantwortung, die weiter reicht als die Niederlande.” Wilders, der im Herbst in Amsterdam wegen Anstachelung zu Hass gegen Muslime und Diskriminierung vor Gericht steht, ist spätestens seit der Veröffentlichung seines Propagandafilms Fitna 2008 eine feste Größe in der islamkritischen Szene Europas und Nordamerikas. Meist wird er dabei von konservativen Abgeordneten eingeladen, den 15minütigen Film zu präsentieren. Mehrfach kam es dabei zu massiven Protesten radikaler Moslim- Organisationen, die Wilders mit dem Tod bedrohten.

Während sein Elektorat in den Niederlanden im xenofoben Kleinbürgertum angesiedelt ist, hat Wilders sich international zu einer Ikone konservativer und ultraliberaler Intellektueller entwickelt, die in ihm einen Vorkämpfer der Meinungsfreiheit sehen. Entsprechend groß war in dieser Szene die Aufmerksamkeit für die Eröffnung seines Prozesses im Januar. Aus mehreren deutschen Städten reisten Mitglieder der identitaristischen Initiative P.I. (Politically Incorrect) an, um vor dem Gericht zu demonstrieren. Auch im Umfeld der islamfeindlichen Pro Köln/ Pro NRW gilt Wilders als Galionsfigur.

Über mögliche Bündnispartner machte der PVV- Chef vorerst keine Angaben. Der Hinweis, diese bräuchten nicht politisch aktiv zu sein, deutet an, dass ihm ohnehin verbundene islamkritische Wissenschaftler und Publizisten als Sprachrohre der neuen Bewegung dienen könnten, um damit politischen Einfluss zu gewinnen. In vielen Ländern, so Wilders, fehle eine Kraft wie die PVV im Parteienspektrum. Die politische Heimat der Initiative verortete er zwischen konservativen und rechtsextremen Parteien. Erstere hält Wilders für einen Teil der politischen Elite. Letztere lehnt er dagegen als rassistisch ab. Um Letztere aus seinem Netzwerk zu halten, will seine Verbündeten Wilders sorgfältig prüfen. Eine Prämisse soll dabei der Schutz Israels sein. In der niederländischen Naziszene gilt Wilders wegen dieses Standpunkts als “Judenfreund”.

Erschienen in taz, 17. Juli 2010

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