Happy Hour bei Geert

Wilders wirft die Angel aus, und alle beissen an. Ein Kommentar.

Dass ausgerechnet die EU zum Link zwischen den verschiedenen rechten Strömungen Europas werden könnte, weiss man spätestens seit dem Auftritt von Geert Wilders und Marine Le Pen. Überraschend ist das nicht, denn ein gemeinsamer Feind hat nun mal ähnlich integrative Kapazitäten wie ein Kirchentag.

Nicht zu unterschätzen ist daneben die Funktion des niederländischen Gastgebers: seit Monaten feilt dieser an seiner Allianz gegen “das Brüsseler Monster” und zeigt sich dabei nach fast allen Seiten offen. Lange wollte er von Kalibern wie Front National, FPÖ oder Vlaams Belang, tief verwurzelt in der extremen, teils nazistischen Rechten der jeweiligen Länder, nichts wissen.

Die Abneigung war durchaus beidseitig. Im White- Pride- Forum Stormfront etwa gilt Wilders, der bislang als Freund Israels und explizit pro- jüdisch auftrat, als “Zionist” und “Oberjudenknecht”. Just von diesen braunen Rändern versuchen die genannten Parteien sich seit Jahren zu distanzieren. Die Einladung zur Kooperation mit Wilders, dem Popstar der anti- islamischen Internationalen, kommt da mehr als gelegen.

Die Frage ist: wie weit will Wilders auf seiner Einheitswelle reiten? In Den Haag zielten Le Pen und er mit ihrem Gesäusel vom Nationalstaat eher auf das diffuse Heimatbedürfnis des bürgerlich- konservativen Klientels. In niederländischen Medien machte er bereits deutlich, dass “rassistische Parteien wie Jobbik “ nicht zu seiner Zielgruppe gehörten.

Andererseits gab es diesen Herbst in Den Haag eine Demonstration gegen die Sparpolitik der niederländischen Regierung. Der Initiator: Geert Wilders. Neben PVV- Wählern trieben sich dort erstmals Vertreter der niederländischen Extremen Rechten, Nazis und identitär- rassistischen Organisationen wie Voorpost herum. Wilders distanzierte sich davon erst, als das örtliche Dokumentations- und Informationszentrum Israel (CIDI) ihn dazu aufforderte.

Es scheint, als könnte der populistische Cocktail mit den Zutaten “Anti- EU” und “Anti- Sparen” im nächsten Frühjahr ein Renner werden – zumal gemixt von Barkeeper Wilders. Und wenn der zur Happy Hour ruft, sollte man sich vorsehen.

Erschienen in Jungle World, 21. November 2013

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