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	<title>Benelux Texte</title>
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	<description>Tobias Müller - Reportagen und Berichte aus den Niederlanden und Belgien</description>
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		<title>Parteipolitischer Swingerclub</title>
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		<pubDate>Fri, 18 May 2012 08:04:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[

Alles neu in Den Haag: die gest&#252;rzte Rechtsregierung will gemeinsam mit Linksliberalen den Haushalt retten, Sozialdemokraten und Populisten konkurrieren um den kleinen Mann. Konstant ist nur die Krise.

Es wird eng in der Mitte: Markt- und Linksliberale, Gr&#252;ne, Christdemokraten und Sozialcalvinisten, alle dr&#228;ngen sich in diesem Fr&#252;hling im Zentrum des politischen Spektrums. Warum? Die Mitte ist [...]]]></description>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Alles neu in Den Haag: die gest&#252;rzte Rechtsregierung will gemeinsam mit Linksliberalen den Haushalt retten, Sozialdemokraten und Populisten konkurrieren um den kleinen Mann. Konstant ist nur die Krise.<span id="more-730"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Es wird eng in der Mitte: Markt- und Linksliberale, Gr&#252;ne, Christdemokraten und Sozialcalvinisten, alle dr&#228;ngen sich in diesem Fr&#252;hling im Zentrum des politischen Spektrums. Warum? Die Mitte ist der place to be in Den Haag, das Gebot der Stunde, das Rezept gegen Haushaltsmisere und die unverhohlenen Drohungen der Ratingagenturen. &#8220;Aus der Mitte heraus reformieren wir das Land&#8221;, verk&#252;ndete also Alexander Pechtold, Fraktionsvorsitzender der linksliberalen Partei Democraten66, Ende April. Es klang euphorisch, als entst&#252;nde in den Niederlanden ein neues, vision&#228;res Gesellschaftskonzept.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">In Wirklichkeit hatten die f&#252;nf beteiligten Parteien lediglich einen Haushaltsentwurf f&#252;r das kommende Jahr verabschiedet, der die Neuverschuldung unter die 3 Prozent- Marke dr&#252;cken soll, die der Europ&#228;ische Stabilit&#228;tspakt vorschreibt. Erleichterung machte sich breit. &#8220;Historisch&#8221; nannte die Tageszeitung Volkskrant den Kompromiss, der in Windeseile zustande gekommen war. Die Zeit dr&#228;ngte, denn bis zum letzten April musste der Entwurf der EU- Kommission vorliegen. Nur wenige Tage zuvor war die Rechts- Regierung von Premier Mark Rutte nach zweimonatigen Verhandlungen an diesem Projekt gescheitert. Der populistischen Partij voor de Vrijheid (PVV), von deren Unterst&#252;tzung sie abhing, gingen die Sparpl&#228;ne zu weit.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Die geradezu euphorischen Reaktionen auf den Last Minute- Haushaltsentwurf erkl&#228;ren sich durch die Rahmenbedingungen. Die Niederlande n&#228;mlich steuerten nicht nur auf ein massives Defizit von gut viereinhalb Prozent zu, sondern auch auf ein saftiges Milliardenbu&#223;geld aus Br&#252;ssel. Auch die Ratingagenturen hatten ein Auge auf das Land geworfen, die Anleihezinsen stiegen, der Verlust der Top- Bonit&#228;tsrate AAA droht nach wie vor. Bekannte Seznarien aus dem S&#252;den der Eurozone, oder auch aus dem Nachbarland Belgien, das im Herbst ganz &#228;hnlich in der Bredouille sa&#223;. Die Aussicht, in dieser Lage nicht nur ohne tatkr&#228;ftige Regierung, sondern auch ohne Haushaltsplan dar zu stehen, lie&#223; zwischenzeitlich leichte Panik in Den Haag aufkommen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Dass die Krise nun auf die Niederlande &#252;ber zu greifen droht, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Schlie&#223;lich waren Premier Mark Rutte und Wirtschaftsminister Jan Kees de Jager in ihrer kurzen Amtsperiode ein allzeit getreuer Sidekick der Berliner Austerit&#228;tszuchtmeister, die die strauchelnden L&#228;nder im S&#252;den der Union Haushaltsdisziplin lehren wollten. Die Haager Turbulenzen entziehen nebenher einer recht beliebten Krisen- Analyse den Boden: dem Merkel´schen Bild der urlaubsfreudigen Griechen und Portugiesen, die sich ihre Probleme selbst zuzuschreiben h&#228;tten. Wer solchen Interpretationen anh&#228;ngt, h&#228;tte die n&#252;chternen Calvinisten doch wohl f&#252;r resistenter gehalten?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Immerhin die Gegenma&#223;nahmen entsprechen jenem Stereotyp: schnelles, unsentimentales Sparen. Die &#8220;Reform aus der Mitte&#8221; n&#228;mlich bedeutet unter anderem eine schrittweise Erh&#246;hung des Rentenalters ab 2013, eingefrorene Geh&#228;lter im &#246;ffentlichen Dienst, mehr Eigenbeitrag zu den Gesundheitskosten und ein Anstieg des h&#246;heren der beiden Mehrwertsteuers&#228;tze von 19 auf 21 Prozent. Doch sie ist auch eine inhaltliche Neujustierung, denn einige Sparma&#223;nahmen der bisherigen Minderheitsregierung werden daf&#252;r zur&#252;ck genommen: der Mehrwertsteueraufschlag im Kunstbereich sowie K&#252;rzungen in Entwicklungshilfe und Bildung. Deutlich ist auch ein &#246;kologischer Akzent mit Verg&#252;nstigungen f&#252;r den Kauf von Solarsystemen oder einer Extra- Abgabe auf Kohlekraftwerke. Auch das Budget f&#252;r Naturschutzma&#223;nahmen soll erh&#246;ht werden.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Das vorl&#228;ufige Fazit ist deutlich: die Verh&#228;ltnisse in Den Haag sind kr&#228;ftig in Bewegung geraten. Das Modell einer Minderheitskoalition von Gnaden der PVV und ihres Vormanns Geert Wilders hat sich &#252;berholt. &#220;brig geblieben ist ein parteipolitischer Swingerclub, in dem sich das Geflecht potentieller Koalition&#228;re deutlich anders darstellt als noch vor einigen Wochen. Der neue Kompass dabei hei&#223;t: Austerit&#228;t. Die Bereitschaft zur Haushaltsdisziplin, im Interesse des Landes, wie es allenthalben hei&#223;t, ist zum allgemeinen Schl&#252;sselreiz geworden.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Au&#223;en vor bleiben dabei bislang nur Sozialisten (SP) und die sozialemokratische Partij voor de Arbeid (PvdA), die den Entwurf unsozial nennen, sowie eben die rechtspopulistische PVV. &#220;berraschend ist das in keinem der F&#228;lle: die SP pl&#228;diert seit Jahren daf&#252;r, &#8220;die Lasten der Krise anders zu verteilen&#8221;, und die Sozialdemokraten, latent zwischen Reform und Tradition schwankend, haben zuletzt einmal mehr das eigene Erbe entdeckt. Die PVV wiederum, im Ausland vor allem f&#252;r rabiate Xenophobie bekannt, sch&#228;rft seit geraumer Zeit ihr soziales Profil. Sie lehnt ein h&#246;heres Rentenalter ab und fordert mehr Arbeitskr&#228;fte im Pflegebereich.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Bemerkenswert ist ihre Opposition zum Sparhaushalt h&#246;chstens im R&#252;ckblick auf die politische Laufbahn ihrer Galionsfigur: Geert Wilders n&#228;mlich entstammt just der marktliberalen Volkspartij voor Vrijheid en Democratie (VVD) des zur&#252;ck getretenen Premiers Mark Rutte. Eben dieses Spannungsverh&#228;ltnis pr&#228;gte die vergangenen anderthalb Jahre: unter Haushaltsgesichtspunkten war die Regierung Rutte von Beginn an eine Quadratur des Kreises. Die PVV lie&#223; sich ihre Zustimmung mit der Ghostwriterrolle auf dem Feld der Migrationspolitik entlohnen, die entspechend brachial ausfiel. Ein Amalgam, das zumal an der christdemokratischen Basis starken Protest ausl&#246;ste. Dass Wilders nun die Zustimmung zum Haushaltsentwurf verweigerte, zeigt, dass die Grenze dieser Schnittmenge erreicht war.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Nachdem die Formel &#8220;Sparen gegen Zuwanderungsbeschr&#228;nkung&#8221; nun au&#223;er Kraft gesetzt ist, wird das gescheiterte Modell zur Zentrifuge. Die ehemaligen Protagonisten der &#8220;rechtesten Regierung aller Zeiten&#8221; (so das Label der oppositionellen SP) sind geradezu ger&#252;hrt ob der spontanen Kooperation von Linksliberalen und der sozialkonfessionellen ChristenUnie, und eine seltene Harmonie schwingt zwischen der Koalition, die nunmehr kommissarisch t&#228;tig ist, und gem&#228;&#223;igter Opposition. Auf Seiten der Christdemokraten r&#252;hren sich gar Stimmen, das Verbot von Burka und doppelter Nationalit&#228;t r&#252;ckg&#228;ngig zu machen, die das Kabinett auf Druck der PVV forciert hatte.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="font-style: normal; font-weight: normal">Bei der Bilanz dieser Regierung lohnt es sich im &#220;brigen einen Moment inne zu halten: ihre Signatur war vor allem ein rabiater Anti- Zuwanderungs- Kurs, der dem hochsensiblen Projekt der Integration einen B&#228;rendienst erwies. Auf EU- Ebene forderten die Niederlande, den Familiennachzug zu begrenzen und den Schengenraum nicht zu erweitern. Der christdemokratische Immigrationsminister Gerd Leers lie&#223; auf Wilders´ Gehei&#223; die Muskeln spielen, auch zum Verdruss seiner eigenen Basis, unter anderem mit dem vorerst hinf&#228;lligen Projekt einer j&#228;hrlichen Abschiebequote sogenannter Illegaler.</p>
<p style="font-style: normal; font-weight: normal">In Erinnerung bleibt auch der j&#252;ngste Aufruf der PVV zur Online- Denunziation osteurop&#228;ischer Arbeitsmigranten – und ein Premier, der sich davon nicht distanzieren mochte. Wilders selbst forderte 2011, &#8220;Asoziale&#8221; in gesonderten Siedlungen unter zu bringen. Abgeordnete der PVV machten derweil in den letzten Jahren unter anderem wegen &#246;ffentlicher Trunkenheit, Gewaltanwendung und Betrugs von sich reden. Ein Fraktionsmitglied stellte sich zudem als Schrecken seiner fr&#252;heren Nachbarn heraus, der diesen androhte in ihren Briefkasten zu urinieren.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Des Eindrucks eines allgemeinen Aufatmens kann man sich dieser Tage in Den Haag schwerlich erwehren, wie nach dem sprichw&#246;rtlichen Erwachen aus einem schlechten Traum. Dies kann indes kaum dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen, dass die Zusammenarbeit mit der PVV f&#252;r den neoliberalen Premier Rutte 2010 erkl&#228;rter Ma&#223;en die erste Option war, und sich auch die Christdemokraten, ihrer fundamentalen Zweifel zum Trotz, damals zu zwei Dritteln daf&#252;r aussprachen – nach dem g&#228;ngigen Prinzip des kleineren &#220;bels zwar, doch basiert nicht auch dieses auf der Suche nach inhaltlichen Gemeinsamkeiten?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Wie befreit aus einem allzu engen Korsett geriert sich seit dem Aus der Regierung Geert Wilders. &#8220;Mit sehr viel Enthusiasmus&#8221;, so zitierten ihn niederl&#228;ndische Medien dieser Tage, gehe er in den nun anstehenden Wahlkampf. In Wirklichkeit hat seine Kampagne l&#228;ngst begonnen, und wo der Feind steht, ist keine Frage: gleich in seiner ersten Parlamentsrede wenige Tage nach dem Scheitern der Regierung zog er gegen den &#8220;Br&#252;sseler Superstaat&#8221; vom Leder. &#8220;Br&#252;ssel regiert, Br&#252;ssel diktiert&#8221;, kommentierte er kurz darauf den Haushaltskompromiss, und folgerte: &#8220;Die Niederlande springen &#252;ber ihen eigenen Schatten – leider ohne Fallschirm.&#8221;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Im Wilders´schen Duktus ist Austerit&#228;t zum Synonym f&#252;r die EU geworden, gerade als habe es vor dem europ&#228;ischen Stabilit&#228;tspakt keine Sparpolitik gegeben. Inzwischen fordert Wilders offen den Austritt der Niederlande aus der EU. Auch eine R&#252;ckkehr zum Gulden, der &#8220;sch&#246;nsten W&#228;hrung Europas&#8221;, propagiert die PVV immer mal wieder. Es sind diese Register, die sie im Kampf um die Stimmen von &#8220;Henk und Ingrid&#8221; zieht. Letztere sind ein fiktives Paar mittleren Alters, wei&#223;, nicht wohlhabend, doch hart arbeitend, und nach eigener Aussage die Adressaten von Wilders Politik. &#8220;F&#252;r Henk und Ingrid, nicht f&#252;r Ali und Fatima&#8221;, hie&#223; es vor Jahren. 2012 ist die Sto&#223;richtung eine andere: &#8220;Entweder Br&#252;ssel, oder Henk und Ingrid.&#8221;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Nicht nur wegen des scharfen Oppositionskurses der PVV ist die Erleichterung &#252;ber den Haushaltskompromiss wenig mehr als eine Momentaufnahme. Aus den Reihen der Sozialdemokraten kam die Anmerkung, der Kompromiss habe ein deutlich begrenztes Haltbarkeitsdatum: die Neuwahlen am 12. September. Danach, so Ex- Minister Ronald Plasterk, &#8220;k&#246;nnen wir alles r&#252;ckg&#228;ngig machen. Der Haushalt von 2013 wird durch das neue Kabinett verabschiedet.” Den Haag d&#252;rfte damit noch ein hei&#223;er Tanz um die Achse der Austerit&#228;t bevorstehen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Erschienen in WOXX, 18. Mai 2012. K&#252;rzere Version in <a href="http://www.furche.at/system/showthread.php?t=21380">Die Furche</a>, 10. Mai 2012</p>
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		<title>Nuancen der Erinnerung</title>
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		<pubDate>Sun, 06 May 2012 09:11:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Niederlande]]></category>

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		<description><![CDATA[

Joachim Gaucks Rede am niederl&#228;ndischen Befreiungstag ist historisch. Doch im Nachbarland ist diese Form des Gedenkens l&#228;ngst nicht unumstritten.

Es waren bewegende Momente in der &#8220;Grote Kerk&#8221; zu Breda: als erster Deutscher hielt Bundespr&#228;sident Gauck die Rede zum Tag der Befreiung von der f&#252;nfj&#228;hrigen nationalsozialistischen Besatzung. Er erinnerte an die &#8220;Opfer deutscher Gro&#223;machtphantasie und Rassenwahn&#8221;, r&#252;hmte [...]]]></description>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Joachim Gaucks Rede am niederl&#228;ndischen Befreiungstag ist historisch. Doch im Nachbarland ist diese Form des Gedenkens l&#228;ngst nicht unumstritten.<span id="more-728"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Es waren bewegende Momente in der &#8220;Grote Kerk&#8221; zu Breda: als erster Deutscher hielt Bundespr&#228;sident Gauck die Rede zum Tag der Befreiung von der f&#252;nfj&#228;hrigen nationalsozialistischen Besatzung. Er erinnerte an die &#8220;Opfer deutscher Gro&#223;machtphantasie und Rassenwahn&#8221;, r&#252;hmte die mutigen Beispielen niederl&#228;ndischer Widerstandsk&#228;mpfer, und folgerte, dass einem Unrechtsregime die Gefolgschaft gek&#252;ndigt werden m&#252;sse, auch wenn es sich dabei um das &#8220;Vaterland&#8221; handle. Danach gab es herzliche H&#228;ndedruck mit dem Thronfolger und die lange Umarmung mit Joan Leemhuis, als Vorsitzende des Organisationskomitees verantwortlich f&#252;r die Einladung Gaucks.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Aus deutscher Sicht geht da eine Gleichung auf. Ohne Rest, versteht sich, gilt Gauck doch als Sachverst&#228;ndiger und Instanz in Sachen Freiheit. Wer k&#228;me besser f&#252;r diese Rede in Frage? In den Niederlanden stellt sich das etwas nuancierter dar: hier gilt das Staatsoberhaupt nicht prim&#228;r als DDR- B&#252;rgerrechtler, sondern als Deutscher. Die Befreiungsfeiern iherseits stehen nicht f&#252;r sich, sondern sind der zweite Teil des Doppelfeiertags &#8220;4. und 5. Mai&#8221;. Am Vorabend wird in and&#228;chtiger Stille &#252;berall im Land der Toten des Zweiten Weltkriegs gedacht.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Im Lauf der Zeit hat sich der Charakter dieses Feiertags ge&#228;ndert: inzwischen umschlie&#223;t das Gedenken auch alle Kriegsopfer nach 1945 &#8220;in den Niederlanden oder wo auch sonst auf der Welt.&#8221; Auch das Motiv der Befreiung hat heute eine weitere Dimension und schl&#228;gt, ganz im Sinne des Mottos der Gauck´schen Rede, &#8220;Freiheit weitergeben&#8221;, eine Br&#252;cke zu zeitgen&#246;ssischen K&#228;mpfen f&#252;r Menschenrechte.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Auch der viel beachtete Auftritt des Bundespr&#228;sidenten geht auf diese Entwicklung zur&#252;ck. Die &#8220;jahrzehntelange intensive Zusammenarbeit&#8221; der Niederlande und Deutschlands im Rahmen der europ&#228;ischen Einigung und die engen nachbarschaftlichen Beziehungen, so das &#8220;Komitée 4. und 5. Mai&#8221;, gaben den Ausschlag f&#252;r seine Einladung. Daf&#252;r gab es viel Zuspruch. Tats&#228;chlich hat sich das Deutschlandbild in den Niederlanden in den letzten 20 Jahren enorm verbessert, und die Jahre der Besatzung geraten im kollektiven Ged&#228;chtnis in den Hintergrund.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Doch just die Gedenkfeiern erweisen sich f&#252;r die Normalisierung des Verh&#228;ltnisses als Stresstest. Deutlich wurde das 2010, als der damalige deutsche Botschafter in Den Haag den Zeitpunkt f&#252;r gekommen hielt, laut &#252;ber seine Teilnahme am offiziellen Totengedenken in Amsterdam zu sinnieren – und nicht willkommen war. Dass die Anwesenheit Gaucks 2012 ausdr&#252;cklich erw&#252;nscht war, liegt auch am Unterschied zwischen beiden Feiertagen: der erste gedenkt, der zweite jubiliert.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Rund um seinen Auftritt gab es dennoch einige Diskussionen. Zun&#228;chst war da das Gedicht &#252;ber seinen Urgro&#223;vater, mit dem ein 15j&#228;hriger den Wettbewerb des Organisationskomitées gewann. &#214;ffentlich vorgelesen wurde &#8220;Die falsche Wahl&#8221; bei der Gedenkfeier dann aber nicht: &#8220;Er entschied sich f&#252;r eine falsche Armee mit falschen Idealen, fl&#252;chtete vor Armut, hoffte auf ein besseres Leben&#8221; – zumal j&#252;dische Organisationen sahen in diesen Zeilen die Gefahr, einem T&#228;ter als Opfer zu gedenken, denn der besagte &#8220;Junge, der das Falsche w&#228;hlte&#8221;, war ein Freiwilliger der Waffen- SS.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Noch heftiger verlief in den Tagen vor dem 4. Mai die Auseinandersetzung im Dorf Vorden im Osten des Landes. Der B&#252;rgermeister der Gemeinde hatte angeregt, die Prozession &#252;ber den &#246;rtlichen Friedhof auch entlang der Gr&#228;ber von zehn Wehrmachtsoldaten zu f&#252;hren. Dagegen protestierten das Simon- Wiesenthal- Zentrum ebenso wie j&#252;disch- niederl&#228;ndische Gruppen. Letztere erwirkten in einer einstweiligen Verf&#252;gung, dass Gemeindefunktion&#228;re nicht an den deutschen Gr&#228;bern vorbeiziehen durften. Wehrmachtssoldaten, so befand das Gericht, k&#246;nne durchaus gedacht werden, jedoch nicht am 4. Mai &#8220;und nicht im gleichen Atemzug mit den Opfern des Nazi- Regimes&#8221;. Hunderte nicht- offizielle Teilnehmer der Feier sahen das offenbar anders und liefen demonstrativ an besagten Gr&#228;bern vorbei.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Personifiziert wird diese Debatte durch den Fall des niederl&#228;ndischen Kriegsverbrechers Klaas Carel Faber. Auch er war ein SS- Freiwilliger, der sich als Mitglied einer nordholl&#228;ndischen Todesschwadron den Ruf eines Schl&#228;chters erwarb. Nach dem Krieg zu lebenslanger Haft verurteilt, floh Faber 1952 nach Deutschland. Bis heute lebt er unbehelligt in Ingolstadt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Die Causa Faber r&#252;ckte auch zum Besuch Joachim Gaucks ins Blickfeld. Ausgerechnet in Breda n&#228;mlich sollte Faber seine lebenslange Haft absitzen. Einige Aktivisten protestierten daher im Vorfeld unter dem Motto &#8220;Faber ja, Gauck nein&#8221; gegen die Rede des Bundespr&#228;sidenten. Allerdings hatte auch diese Kampagne einen vers&#246;hnlichen Unterton: sobald n&#228;mlich Deutschland dem niederl&#228;ndischen Auslieferungsantrag entspr&#228;che, sei Gauck auf der Befreiungsfeier herzlich willkommen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Erschienen auf<a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-05/gauck-niederlande"> ZEIT online,</a> 5. Mai 2012</p>
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		<title>Ins eigene Fleisch</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Apr 2012 08:32:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
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		<category><![CDATA[Haushalt]]></category>
		<category><![CDATA[Rutte]]></category>
		<category><![CDATA[Sparpaket]]></category>

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		<description><![CDATA[

In Europa waren die Niederlande bislang der treueste B&#252;ndnispartner des deutschen Sparkurses. Die Folgen ihrer Forderung nach Haushalsdisziplin bekommen sie nun selbst zu sp&#252;ren.


Es ist meist ein aufschlussreicher Moment, wenn diejenigen, die von Anderen die Einhaltung bestimmter Regeln fordern, beim Bruch ihrer eigenen Prinzipien ertappt werden. Dies gilt in doppelter Hinsicht: zum einen untergr&#228;bt er [...]]]></description>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">In Europa waren die Niederlande bislang der treueste B&#252;ndnispartner des deutschen Sparkurses. Die Folgen ihrer Forderung nach Haushalsdisziplin bekommen sie nun selbst zu sp&#252;ren.<span id="more-719"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Es ist meist ein aufschlussreicher Moment, wenn diejenigen, die von Anderen die Einhaltung bestimmter Regeln fordern, beim Bruch ihrer eigenen Prinzipien ertappt werden. Dies gilt in doppelter Hinsicht: zum einen untergr&#228;bt er nat&#252;rlich die Stellung derer, die eben noch den Zeigefinger erhoben. Im gr&#246;&#223;eren Rahmen aber wirft ein solcher Moment auch ein anderes, relativierendes Licht auf die Regeln selbst: was sind das eigentlich f&#252;r Bestimmungen, warum werden sie eingefordert, und sind sie, darauf l&#228;uft es hinaus, wirklich so unumst&#246;&#223;lich?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Der j&#252;ngste R&#252;cktritt der niederl&#228;ndischen Regierung ist ein solcher Fall. Gescheitert ist sie an einem Sparpaket, das vor allem einem Zweck diente: die Neuverschuldung im Haushalt unter die 3 Prozent- H&#252;rde zu bringen, die der Europ&#228;ische Stabilit&#228;tspakt vorgibt. Vom Kurshalten in schwierigen Zeiten sprach der nun abgetretene Premier Mark Rutte zumal im vergangenen Herbst gerne, als er mit seinen Amtskollegen &#252;ber die Euro- Rettung verhandelte. Strikte Haushaltsdisziplin, das war die niederl&#228;ndische Botschaft an Europa. Rutte und sein Finanzminister de Jager waren gemeinsam mit ihren deutschen Pendants die Advokaten der Austerit&#228;t.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Besonders glaubhaft sind die Niederlande nun nicht mehr mit dieser Forderung. Mehr noch: f&#252;r die Opposition ist der Stabilit&#228;tspakt l&#228;ngst nicht in Stein gemei&#223;elt. Auf der politischen B&#252;hne Den Haags spielen sich nun Szenen ab, die aus anderen Mitgiedsstaaten nur allzu bekannt sind: das Verweisen auf Ausnahmeoptionen und die Suche nach Hintert&#252;rchen, um einem Br&#252;sseler Milliardenbu&#223;geld doch noch zu entgehen. Noch im Herbst setzten sich die Niederlande f&#252;r eine st&#228;rkere Rolle des EU- Finanzkommissars ein. Ein halbes Jahr sp&#228;ter sind sie &#8220;ins eigene Messer gelaufen&#8221;, wie es ein Abgeordneter diese Woche w&#228;hrend einer Krisen- Debatte nannte.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">F&#252;r die Bundesregierung bedeuten die Haager Turbulenzen den Verlust des treuesten B&#252;ndnispartners. Die Rolle des Austerit&#228;tszuchtmeisters der Union wird Berlin k&#252;nftig alleine spielen m&#252;ssen. Ohne ihren Sidekick Rutte ist auch Merkels Position geschw&#228;cht. Zudem wirft das Beispiel Niederlande eine essentielle Frage auf: es ist offensichtlich, dass ein Mitgliedsland ums andere nach den enormen Anstrengungen multipler Bankenrettung den EU- Haushaltskriterien nicht mehr entsprechen kann. Zieht man aus dieser Tatsache andere Konsequenzen als ein um so st&#228;rkeres Beharren auf Austerit&#228;t?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Das Scheitern der niederl&#228;ndischen Regierung stellt auch einen hartn&#228;ckigen Mythos in Frage: den von den schludrigen S&#252;dl&#228;ndern, die ihre Misere doch eigentlich sich selbst und ihrem l&#228;ssigen Lebenswandel verdanken. Angela Merkel sprach letztes Jahr aus, was bis heute im Norden der EU und zumal in Deutschland Viele denken. Nun aber sind, um im Duktus der Stereotypen zu bleiben, selbst die strebsamen niederl&#228;ndischen Calvinisten ins Straucheln geraten. In Den Haag werden dieser Tage Forderungen laut, in der Haushaltspolitik andere Schwerpunkte zu setzen. Langfristige, nachhaltige und nicht zuletzt soziale. Es wird Zeit, ihnen Geh&#246;r zu schenken.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Erschienen in <a href="http://www.freitag.de/politik/1217-gastkommentarniederlande">Der Freitag</a>, 26. April 2012</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
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		<title>Ende einer Freakshow</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Apr 2012 08:34:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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Krise als Chance – das ist sicherlich ein abgedroschenes Schlagwort. In den Niederlanden bekommt es nach dem Scheitern der Regierung Rutte eine neue Bedeutung: die Chance der Politik, sich vom Einfluss der Rechtspopulisten zu emanzipieren. Und Anlass dazu gibt es jede Menge.

Die Situation in Den Haag ist mehr als knifflig: das Ende der Regierung Rutte [...]]]></description>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Krise als Chance – das ist sicherlich ein abgedroschenes Schlagwort. In den Niederlanden bekommt es nach dem Scheitern der Regierung Rutte eine neue Bedeutung: die Chance der Politik, sich vom Einfluss der Rechtspopulisten zu emanzipieren. Und Anlass dazu gibt es jede Menge.<span id="more-722"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Die Situation in Den Haag ist mehr als knifflig: das Ende der Regierung Rutte bedeutet das Aussetzen der drastischen Sparma&#223;nahmen, die Anleger und EU- Kommission dringend fordern. Die angek&#252;ndigte Herabstufung durch die Ratingagenturen schwebt &#252;ber dem Land, und damit ein h&#246;herer Anleihzins. Dazu droht wegen des zu erwartenden Haushaltsdefizits ein saftiges Bu&#223;geld aus Br&#252;ssel. Keine Frage: die Niederlande sitzen ziemlich in der Klemme.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Was aber w&#228;re die Perspektive dieser Regierung gewesen, h&#228;tte sie noch einmal die Kurve gekriegt? Die Minderheitskoalition aus marktliberaler VVD und Christdemokraten, gest&#252;tzt von der xenofoben Wilders- Partei PVV, war l&#228;ngst angez&#228;hlt, der Rest der Legislaturperiode w&#228;re eine latente Existenzkrise geworden. Seit in der PVV von Dissidenz die Rede ist, war die Regierung auf die Unterst&#252;tzung frauenfeindlicher Ultracalvinisten angewiesen – kein vertrauenerweckender Ausblick.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Vor diesem Hintergrund ist das Scheitern Ruttes durchaus ein Grund zum Aufatmen. Sparen, das ist sicher, wird auch die Nachfolgerin. Was davon abgesehen in Erinnerung bleibt von dieser Regierung? Ein rabiater Anti- Zuwanderungs- Kurs, der dem sensiblen Projekt der Integration einen B&#228;rendienst erwies. Das Dr&#228;ngen auf EU- Ebene, den Familiennachzug zu begrenzen und den Schengenraum nicht zu erweitern. Ein christdemokratischer Immigrationsminister, der auf Wilders´ Gehei&#223; die Muskeln spielen lie&#223;, auch zum Verdruss seiner eigenen Basis, und das nun hinf&#228;llige Projekt einer j&#228;hrlichen Abschiebequote sogenannter Illegaler.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Den Tiefpunkt dieses Gruselkabinetts bildete der j&#252;ngste Aufruf der PVV zur Online- Denunziation osteurop&#228;ischer Arbeitsmigranten – und ein Premier, der sich davon nicht distanzieren mochte. Abgeordnete der PVV indes machten in den letzten Jahren unter anderem wegen &#246;ffentlicher Trunkenheit, Gewaltanwendung und Betrug von sich reden. F&#252;r die PVV- Eskapaden ist Freakshow ein Euphemismus.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Dass sie nach ihrem R&#252;ckzug auf absehbare Zeit keinen politischen Einfluss mehr bekommt, bedeutet noch nicht das Ende des Populismus in den Niederlanden. Immerhin begaben sich die Koaltionsparteien 2010 freiwillig und auf Grund inhaltlicher &#220;berschneidungen in die Arme der PVV. Dessen ungeachtet hat sich das Prinzip &#252;berlebt, um des Sparens willens an dieser Regierung fest zuhalten. Und damit der unselige Kuhhandel, der PVV f&#252;r ihre Unterst&#252;tzung die Migrationspolitik zu &#252;berlassen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Erschienen auf <a href="http://www.taz.de/Kommentar-Regierungskrise-Niederlande/!92062/">taz online</a>, 25. April</p>
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		<title>Rabbi ohne Lobby</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Apr 2012 09:05:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Niederlande]]></category>

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		<description><![CDATA[

Homosexualit&#228;t therapieren? Prima Idee, dachte sich der New Yorker Rabbiner Aryeh Ralbag, und unterzeichnete eine entsprechende Erkl&#228;rung. Dumm nur, dass er auch noch eine Anstellung bei der J&#252;dischen Gemeinde in Amsterdam hat. Und die ist damit &#252;berhaupt nicht einverstanden.
Ein Ozean – so weit ist Aryeh Ralbag von seiner Gemeinde entfernt. Geographisch gesehen ist das nichts [...]]]></description>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Homosexualit&#228;t therapieren? Prima Idee, dachte sich der New Yorker Rabbiner Aryeh Ralbag, und unterzeichnete eine entsprechende Erkl&#228;rung. Dumm nur, dass er auch noch eine Anstellung bei der J&#252;dischen Gemeinde in Amsterdam hat. Und die ist damit &#252;berhaupt nicht einverstanden.<span id="more-716"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Ein Ozean – so weit ist Aryeh Ralbag von seiner Gemeinde entfernt. Geographisch gesehen ist das nichts Neues: seit er 2005 sein Amt als Oberrabbiner der niederl&#228;ndischen Hauptstadt- Gemeinde Nederlands- Israëlitisch Hoofdsynagoge (NIHS) antrat, kommt Ralbag alle zwei Monate aus Brooklyn, um sich dem Lauf der Dinge an der Amstel zu widmen. Inzwischen aber ist die Distanz auch eine inhaltliche. Stein des Ansto&#223;es ist die sogenannte Declaration on the Torah Approach to Homosexuality, eine Erkl&#228;rung von Menschen, die &#8220;ihre homosexuellen Gef&#252;hle besiegt&#8221; haben, und einigen US-amerikanischen Rabbinern, die deren &#8220;mutigen Weg unterst&#252;tzen&#8221;.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Zu den bis dato mehr als 200 Unterzeichnenden geh&#246;rte im Januar auch Aryeh Ralbag. Er best&#228;tigt damit die Auffassung, &#8220;gleichgeschlechtliche Anziehung&#8221; sei wie andere Verhaltensweisen &#8220;&#228;nderbar&#8221;. Im Einklang mit der Tora k&#246;nne durch Reue und Therapie die &#8220;nat&#252;rliche Geschlechtsidentit&#228;t&#8221; wieder hergestellt und &#8220;emotionalen Wunden, die zur Desorientierung f&#252;hrten&#8221;, geheilt werden. Dass Ralbag hinter seinen Namen auch seine Funktion in Amsterdam setzte, war f&#252;r die Gemeindeleitung zu viel: sie enthob ihren Oberrabbiner vor&#252;bergehend seines Amtes. In einer Stellungnahme betonte sie, Homosexuelle seien in der Gemeinde willkommen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Als Aryeh Ralbag im Februar das n&#228;chste Mal &#252;ber den Atlantik kam, stand der Disput folglich oben auf der Agenda. Dabei lie&#223; der Oberrabbiner verlauten, er h&#228;tte die umstrittene Erkl&#228;rung besser nicht unterschrieben. Die NIHS hob seine Suspendierung auf, doch von gekl&#228;rten Verh&#228;ltnissen kann keine Rede sein. Aryeh Ralbag steht dieser Tage noch immer auf der Online- Signaturenliste der Erkl&#228;rung – allerdings ohne Erw&#228;hnung seiner Funktion jenseits des Atlantiks. Und in Amsterdam ist man sich in Bezug auf Ralbag alles andere als sicher: &#8220;Sein Vetrtrag l&#228;uft n&#228;chstes Jahr aus. Also kommt bald die Frage wieder auf, ob wir mit ihm weiter machen&#8221;, so Verwaltungsmitglied Nathan Bouscher.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Offenbar ist das Thema bereits nun aktuell: dem Lokalsender AT5 zu Folge sprach sich Ende M&#228;rz ein Drittel des 30k&#246;pfigen Gemeinderats gegen einen Verbleib Ralbags aus. Grund daf&#252;r soll auch die &#8220;Fernbeziehung&#8221; sein. In dem Bericht wird Gemeindedirektor Benno van Praag zitiert: &#8220;Am besten w&#228;re es, wenn der Rabbiner in Amsterdam wohnt.&#8221; Dessen vorzeitiger Abschied stehe allerdings nicht zur Debatte. Derzeit sieht es eher nach einem schleichenden Ende aus. Nathan Bouscher, Vertreter der gr&#246;&#223;ten Fraktion Kol Chadash, sagte der J&#252;dischen Allgemeinen, das Reisebudget f&#252;r Ralbag sei gek&#252;rzt worden, wodurch dieser k&#252;nftig seltener in die Niederlande k&#228;me. Bei Kol Chadash habe Ralbag &#8220;&#252;berhaupt keinen R&#252;ckhalt mehr&#8221; und k&#246;nne ihrer Ansicht nach nicht l&#228;nger als Oberrabbiner fungieren.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">In absehbarere Zeit d&#252;rften sich damit die Wege von Aryeh Ralbag und der Amsterdamer Gemeinde trennnen. Dieser besonderen transatlantischen Konstellation widmete der j&#252;disch- niederl&#228;ndische TV- Sender Joodse Omroep vor Jahresfrist eine Dokumentation mit dem Titel &#8220;Oberrabbiner in zwei Welten&#8221;. Ralbag erkl&#228;rt darin seinen Spagat wie folgt: seine Gemeinde in Brookly sei &#8220;truly orthodox&#8221;, die in Amsterdam dagegen eine &#8220;Einheitsgemeinde&#8221;, deren Mitglieder mehrheitlich nicht halachisch lebten.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Ralbag, dessen Frau aus Antwerpen stammt und der bereits zwischen 1975 und 1983 in Amsterdam t&#228;tig war, genoss dort bislang einen Ruf als Br&#252;ckenbauer zwischen Reform und Tradition. Er engagierte sich f&#252;r die Wiedereinf&#252;hrung eines Eruv und f&#252;r die Zulassung von Frauen zum Gemeinderat. Kritiker wiesen trotzdem auf die Gefahr hin, dass Ralbag, neben seinen beiden Rabbinerposten auch Inhaber des Kaschrut- Supervisors Triangle K, mit den Befindlichkeiten seiner europ&#228;ischen Gemeinde nicht hinreichend vertraut sei und &#8220;amerikanisches Fleisch mit niederl&#228;ndischer Milch mische&#8221;, wie die &#8220;Times of Israel&#8221; konstatierte.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="font-style: normal; font-weight: normal">Erschienen in <a href="http://">J&#252;dische Allgemeine</a>, 19. April 2012</p>
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		<title>Verfluchte Pedik&#252;re!</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Apr 2012 08:49:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
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		<description><![CDATA[

Vier Punkrocker mit geistiger Behinderung: das ist die finnische Band Pertti Kurikan Nimip&#228;iv&#228;t. Eine Dokumentation &#252;ber sie erlebt beim Festival in Nyon ihre internationale Premiere. 

Der Manager mahnt zur Eile. &#8220;Toni, es ist Zeit auf die B&#252;hne zu gehen!&#8221; In der offenen Toilettent&#252;r erscheint das grinsende Gesicht des Drummers. &#8220;Wasch dir die H&#228;nde und zieh [...]]]></description>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Vier Punkrocker mit geistiger Behinderung: das ist die finnische Band Pertti Kurikan Nimip&#228;iv&#228;t. Eine Dokumentation &#252;ber sie erlebt beim Festival in Nyon ihre internationale Premiere. <span id="more-714"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Der Manager mahnt zur Eile. &#8220;Toni, es ist Zeit auf die B&#252;hne zu gehen!&#8221; In der offenen Toilettent&#252;r erscheint das grinsende Gesicht des Drummers. &#8220;Wasch dir die H&#228;nde und zieh ab&#8221;, sagt der Betreuer. Toni lacht noch immer und dr&#252;ckt die Sp&#252;lung. Nichts wird ihm heute die Laune verderben, und das H&#228;ndewaschen schenkt er sich zur Feier des Tages. Mit erhobenen Armen tritt er wieder in den Backstageraum. &#8220;Ich war auf Toilette! Und jetzt werden Pertti Kurikan Nimip&#228;iv&#228;t spielen!&#8221; Er zeigt auf das Logo auf seiner Brust. &#8220;Auf meinem Shirt steht Perkele (Gottverdammt)!&#8221;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Selbstverst&#228;ndlich haben Pertti Kurikan Nimip&#228;iv&#228;t (Pertti Kurikkas Namenstag) den Mittelfinger im Gep&#228;ck! Die Adressaten: &#8220;Politiker, die betr&#252;gen&#8221;, das langweilig- b&#252;rgerliche Viertel Helsinkis, in dem S&#228;nger Kari aufwuchs, und nicht zuletzt: das Behinderten- Wohnheim! &#8220;Ich will etwas Respekt und Gleichheit in meinem Leben&#8221;, hei&#223;t es in einem ihrer Lieder. &#8220;Ich will nicht in einer Einrichtung wohnen!&#8221; Warum sollten sie auch? Nur, weil sie mit einer geistigen Behinderung geboren wurden? Das sehen Toni V&#228;litalo, Kari Aalto, Bassist Sami Helle und Gitarrist Pertti Kurikka, alle zwischen Ende 20 und Mitte 50, ganz anders.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">&#8220;Punk Syndrome&#8221; hei&#223;t eine Dokumentation &#252;ber die Band, deren internationale Premiere beim diesj&#228;hrigen Filmfestival Visions du Réel in Nyon ansteht. In 85 Minuten portr&#228;tieren die Regisseure Jukka K&#228;rkk&#228;inen und J-P Passi die Band, begleiten sie bei Proben, Gigs und auf Tour, im Supermarkt und auf Festen. Heraus gekommen ist eine radikal- authentische Collage des Bandlebens. Die Methode? &#8220;Einfach nur direct cinema&#8221;, so J-P Passi. &#8220;Wir lie&#223;en die Dinge geschehen und arrangierten so wenig wie m&#246;glich.&#8221; Also sieht man die Musiker lachen und streiten, sich verlieben und ihr Leben regeln, zwischen Abh&#228;ngigkeiten und dem Wunsch nach Selbstbestimmung.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Der Titel Punk Syndrome ist der Schl&#252;ssel zu diesem Alltag: die Fusion aus Behinderung und Rebellion ist nicht nur das Konzept der Band, die 2009 in einem Workshop gegr&#252;ndet wurde. Die Reibung, die daraus entsteht, ist auch die Triebfeder des Films. Das ist durchaus provokant, gerade weil der Begriff der Inklusion das Thema Geistige Behinderung in den letzten Jahren diskursf&#228;hig gemacht hat. &#196;hnlich, wie sich die Mehrheitsgesellschaft an rollstuhlgerechte Busse gew&#246;hnte, nimmt sie inzwischen wohlwollend zur Kenntnis, dass Behinderte &#8220;auch&#8221; Dinge tun: auch Fu&#223;ball spielen, auch kreativ sind, auch Sex haben. Aber rebellieren, fluchen und der Fuck- You- Attit&#252;de des Punk fr&#246;hnen?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Mit g&#246;nnerhafter Bevormundung haben Pertti Kurikan Nimip&#228;iv&#228;t keinen Vertrag. &#8220;Wir bringen eine andere Perspektive in den Punk&#8221;, sagt Bassist Sami Helle. Sie zeigt sich im Vorwurf an Politiker – &#8220;sie k&#252;mmern sich einen Schei&#223; um uns Behinderte&#8221; – aber auch im best&#228;ndigen Widerwillen, mit dem S&#228;nger Kari sich den verhassten Terminen bei der Fu&#223;pflegerin zu entziehen versucht: &#8220;Verfluchte Pedik&#252;re, sie sind beschissen!&#8221; Wenn er richtig die Schnauze voll hat, vom Leben in der Gruppe und davon, dass man ihn &#252;berall gemeinsam mit dem Bassisten hinschickt, k&#252;ndigt Kari bei einer Probe an: &#8220;Eines Tages jage ich das Wohnheim in die Luft!&#8221;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Andererseits, und auch das zeigt der Film, sind Pertti Kurikan Nimip&#228;iv&#228;t eine Band wie viele andere. Die vermeintliche Exotik l&#246;st sich in einer Personnage auf, die einige Wiedererkennungseffekte birgt: da ist der sensible Gitarrist Pertti, ein hochgradig emotionaler Zweifler in Lederjacke mit um so saftigeren Fl&#252;chen auf der B&#252;hne, Komponist und Kopf der Band und gleichzeitig Namensgeber, denn sein h&#228;ufiger Verweis auf den eigenen Namenstag wurde zum bandinternen Running Gag. Der stoische Riese Sami mit notorischem Baseballcap, der in bassertypischer Coolness sein Instrument bedient. Schlagzeuger Toni ist der J&#252;ngste, ein freundlicher Spa&#223;vogel, der noch bei seinen Eltern wohnt. Und schlie&#223;lich der charismatische S&#228;nger Kari, eloquent und impulsiv.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Dass der Film tief in die bandinternen Beziehungen eintaucht, liegt in erster Linie an den Protagonisten. &#8220;Teils lustig, teils traurig, aber immer unvorhersehbar und voller Emotionen&#8221;, beschreibt Passi die Musiker. Die enge Verbindung zwischen Filmcrew und Band tut ein &#220;briges: Jukka K&#228;rkk&#228;inen, der andere Regisseur, spricht von einem Zustand der Verliebtheit, der mit dem ersten Treffen begonnen h&#228;tte. Seine Initiative, einen Film &#252;ber die Band zu drehen, geht auf einen TV- Auftritt im Jahr 2009 zur&#252;ck, den er zuf&#228;llig sah. Er nahm Kontakt mit dem Manager auf, besuchte die Band, und die vage Idee nahm Gestalt an.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm">Ganz neu war das Thema f&#252;r K&#228;rkk&#228;inen und Passi nicht: 2007 arbeiteten sie zusammen an dem Dokumentarfilm &#8220;All the Best&#8221;, der einen finnischen S&#228;nger in der Qualifikation zum Eurovisions- Contest der Geistig Behinderten portr&#228;tierte. Nun steckten sie knapp zwei Jahre in die Dreharbeiten zu Punk Syndrome. Die Zuneigung war offenbar gegenseitig: &#8220;Am Ende begann es vielleicht etwas langweilig zu werden. Aber weil die ganze Crew so gro&#223;artig war, machte das Projekt richtig Spa&#223;&#8221;, so Bassist Sami Helle zur WOZ. Mit dem Ergebnis sei die Band &#8220;gl&#252;cklich und zufrieden.&#8221;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">In Finnland sieht man nun mit Spannung dem Kinostart Ende April enteggen. Bei einer Handvoll Vorpremieren, sagt Regisseur Passi, habe es Szenenapplaus und Standing Ovations gegeben. &#8220;Das ist zumindest hier sehr ungew&#246;hnlich.&#8221; Das renommierte Filmfestival in Tampere zeichnete Punk Syndrome mit dem Publikumspreis aus. Auch Zeitungen und TV, so Passi, zeigen einiges Interesse. Direkt nach der Internationalen Premiere in Nyon, wo Pertti Kurikan Nimip&#228;iv&#228;t auch auftreten werden, wird Punk Syndrome auf dem Festival in Toronto mehrfach gezeigt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Die Einsch&#228;tzung von S&#228;nger Kari spricht f&#252;r sich: &#8220;Es geht um einen Idioten, der Punk singt und drei andere Idioten, die Punk spielen.&#8221; An das Publikum hat er eine recht deutliche Erwartung: &#8220;Man sollte den Film ansehen und sich fragen, ob man behinderte Menschen hassen sollte, oder sie lieben und respektieren.&#8221; Soweit die Botschaft. Allzu kuschelig werden Pertti Kurikan Nimip&#228;iv&#228;t deshalb noch lange nicht. Immerhin sind sie punk. &#8220;Es war Sonntag. Ich ging in die Kirche&#8221;, erz&#228;hlen sie in einem ihrer St&#252;cke. &#8220;Ich trank einen Kaffee. Ich ging kacken.&#8221;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">The Punk Syndrome. Regie Jukka K&#228;rkk&#228;inen, J-P Passi. Mouka Filmi 2012. Screening und Auftritt der Band in Nyon am 21. April.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Erschienen in <a href="http://www.woz.ch/-2984">WOZ</a>, 12. April 2012</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
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		<title>Venlo will jetzt etwas bieten</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Apr 2012 08:36:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>

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		<description><![CDATA[

Nachhaltig und innovativ: die Floriadestadt ist entschlossen, ihr Image als h&#228;ssliches Entlein ab zu streifen

Hat man so etwas schon gesehen? Touristen! Es sind Touristen in Venlo, wirklich und wahrhaftig. Nein, keine Tagesg&#228;ste aus Hamm/ Westfalen oder Leichlingen, sondern richtige Japaner mit Rollkoffern und suchendem Blick auf den Stadtplan. Was sie hier wollen? Ach ja, es [...]]]></description>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Nachhaltig und innovativ: die Floriadestadt ist entschlossen, ihr Image als h&#228;ssliches Entlein ab zu streifen<span id="more-712"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">Hat man so etwas schon gesehen? Touristen! Es sind Touristen in Venlo, wirklich und wahrhaftig. Nein, keine Tagesg&#228;ste aus Hamm/ Westfalen oder Leichlingen, sondern richtige Japaner mit Rollkoffern und suchendem Blick auf den Stadtplan. Was sie hier wollen? Ach ja, es ist Floriade. &#8220;Flowers&#8221;.und &#8220;Holland&#8221;, diese Kombination zieht nat&#252;rlich. Selbst wenn dies hier gar nicht Nord- oder S&#252;dholland ist, sondern Limburg. &#8220;Limbabwe&#8221;, spotten Manche oben in den Metropolen des Nordens, und nicht wenigen Niederl&#228;ndern gilt die Region als eine Art Zonenrandgebiet.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">Und Venlo? Nun, grauer wird selbst Limburg nicht. Nicht einmal liebliche H&#252;gel gibt es hier wie in Valkenburg, keine pittoreske Innenstadt wie in Maastricht, und auch das mit dem Genuss haben sie hier nicht erfunden. S&#252;dlimburg, da wird geschlemmert, hei&#223;t es. Der Norden der Provinz dagegen ist h&#246;chstens bekannt f&#252;r den Fahrstuhlclub VV Venlo, und dann noch als Heimatstadt des xenofoben Polterers Geert Wilders. Und eben f&#252;r Kurzbesucher aus NRW. Die THC-affine Jugend kommt zum Kiffen, ihre Eltern um Blumen zu kaufen. Bonjour Tristesse. Soweit das Klischee.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">Die alten Schmuddelklamotten will Venlo freilich ablegen, wenn in diesem Jahr rund zwei Millionen Blumengucker die Stadt besuchen werden. F&#252;r die ersten Tage nach der Er&#246;ffnung sind schon alle Hotels ausgebucht, und wer lange nicht mehr hier war, wird sich wundern. Kam man hier fr&#252;her mit dem Zug an, war man froh, wenn man wieder weg war. Inzwischen ist der graue Bahnhofsvorplatz frisch geklinkert, ein neu gepflanzter Baum wird bald Schatten spenden, und gro&#223;z&#252;gige Sitzb&#228;nke mit dunklen Holzlehnen, gar nicht un&#228;sthetisch, begr&#252;&#223;en die G&#228;ste.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">Als Eintagsfliege ist der frische Wind nicht gedacht. Gegen&#252;ber des Bahnhofs steht das &#8220;Limburgs Museum&#8221;, das sich der Regionalgeschichte widmet. Seine Wanderausstellungen machen &#246;fters von sich reden. Im Fr&#252;hjahr wird eine riesige Mikwe, ein altes j&#252;disches Bad aus dem 13. Jahrhundert, gezeigt, das bei Ausgrabungen nahe des Maasufers gefunden wurde. &#8220;Wir hoffen nat&#252;rlich auf den Floriade- Effekt&#8221;, sagt Mitarbeiterin Ernie van Lijssel. Die freundliche Mittf&#252;nfzigerin erz&#228;hlt, dass das Museum selbst ein Signal zum Aufbruch war. &#8220;Im Jahr 2000 hatten wir Er&#246;ffnung. Und dass das Museum hierher kam und nicht nach Maastricht, das viel mehr Flair hat, brachte Venlo nat&#252;rlich ins Bild.&#8221;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">Mevrouw van Lijssel hat ihr ganzes Leben in Venlo verbracht. Sie erinnert sich an ihre Kindheit und Jugend, als die deutschen Kauftouristen am Wochenende hierher kamen. &#8220;In VW K&#228;ferchen &#252;berstr&#246;mten sie die ganze Stadt, auf der Suche nach billigem Kaffee, Butter und Zigaretten. Aber heute kommen sie auch, weil es gesellig ist.&#8221; Was neu ist in Venlo? All die Cafés mit Terassen, im Zentrum und unten am Fluss, am &#8220;Maasboulevard&#8221;. Es gibt Hochschulen, auch zweisprachige, und dass die deutschen Studenten nur zu den Vorlesungen kommen, wie es immer hei&#223;t, findet Mevrouw van Lijssel nicht. Au&#223;erdem gibt es mehr gute Restaurants, ein Feinschmeckerfestival namens Lekker Venlo, und &#252;berhaupt: &#8220;Die Lebensqualit&#228;t ist ziemlich gestiegen.&#8221;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">Gleiches behauptet auch Roy Vercoulen. Neulich war er nach der Arbeit am Nachmittag auf einem Platz mit lauter Cafés. &#8220;Und alles war voll, an einem Wochentag.&#8221; Dabei war mehr im Spiel als nur das Fr&#252;hlingserwachen, ist sich Vercoulen, 31, sicher. &#8220;Das gab es hier fr&#252;her nicht.&#8221; Man muss ihm das glauben, denn auch er ist ein Kind der Stadt. Allerdings arbeitete er zwischenzeitlich in Rotterdam und in Den Haag. Vor ein paar Jahren kam er zur&#252;ck und nahm eine Stelle bei der Stadtverwaltung an. Dass junge, gut ausgebildete Menschen erst gar nicht weggehen aus Limburg, ist ein Ziel der Provinzregierung. Bislang n&#228;mlich str&#246;men sie nach ihrer Ausbildung auf einer Einbahnstra&#223;e in die Randstad, den Ballungsraum zwischen Amsterdam und Rotterdam, Den Haag und Utrecht, w&#228;hrend Limburg vergreist.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">Wie aber will sich die Provinz, wie will sich Venlo positionieren im Standortrennen um Menschen und Betriebe? Die Hoffnung steht im Zeichen der Wiege, oder besser der englichen &#220;bersetzung: cradle. Der Name Cradle to Cradle n&#228;mlich steht f&#252;r ein Recyclingkonzept, bei dem Abfallprodukte als Grundstoffe anderer Produkte im Idealfall endlose Kreisl&#228;ufe bedingen sollen. Was auf diese Weise nicht weiter verwertbar ist, soll zumindest demontierbar und ohne Umweltbelastung zu kompostieren sein. Wie so oft, sind die Niederlande bei solchen Ideen schnell vorne dabei.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">Das Zentrum dieser Bewegung, die sich in den letzten Jahren rasant verbreitete, liegt in – Venlo. Wie das kam? Im Herbst 2006 wurde im niederl&#228;ndischen TV eine Dokumentation &#252;ber Cradle to Cradle, kurz C2C, ausgestrahlt. Entwickelt haben das Konzept der amerikanische Architekt William Mc Donough und Michael Braungart, ein deutscher Chemiker. Die st&#228;dtische Handelskammer sah darin eine Chance: k&#246;nnte ein neues, nachhaltiges Image Venlo nicht attraktiver machen? Den vermaledeiten Limburger Brain Drain stoppen und innovative Betriebe anziehen? 2007 war es, als sie in der Region ein Pilotprojekt ausschrieb, um Firmen f&#252;r die Idee zu gewinnen. Der Aufruf hatte Erfolg, der Grundstein war gelegt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">Als Kickstarter des Prinzips C2C fungierte – die Floriade. Die Gartenausstellung sollte ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit stehen. Und weil es eine Gro&#223;veranstaltung werden w&#252;rde, wie Venlo noch keine gesehen hatte, br&#228;chte der Scheinwerfer eben nicht das graue, h&#228;ssliche Entlein von fr&#252;her ins Bild, sondern eine moderne, innovative Stadt. Man verpasste der Floriade eine griffig- gr&#252;ne Philosophie, minimale Belastung von Luft, Boden und Wasser, m&#246;glichst nachhaltige Energie, die Umgebung intakt lassen, dazu ein attraktives Abfallkonzept, basiert auf organischen Verpackungen, M&#252;lltrennung und Wiederaufbereitung. Braungart und Mc Donough, die C2C- Ikonen, wurden eingeladen und waren begeistert.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">Gleichzeitig begann man, &#252;ber die Veranstaltung hinaus zu planen. Nicht nur die aktuelle Renovierung des Stadthauses geschieht nach C2C- Prinzipien. Auch Teile des Ausstellungsgel&#228;ndes sollen als &#8220;Venlo Green Park&#8221; ein Mekka der Nachhaltigkeit werden. Schon heute erhebt sich direkt neben der Floriade der zehnst&#246;ckige Innovatoren, zu deutsch &#8220;Innovaturm&#8221;, in dem ausschlie&#223;lich Betriebe, die sich dem Cradle- Gedanken verschrieben, ansiedeln sollten. Anfang des Jahres war die Er&#246;ffnung. Die Gr&#252;nderzeit in Venlo ist unbestritten:&#8221;Der Turm ist schon voll&#8221;, freut sich Roy Vercoulen. Auch er hat dort jetzt seinen Arbeitsplatz: als Projektmanager des &#8220;C2C- Expolab&#8221;, das lokale Zentralorgan der Wiegenbewegung, an dem die F&#228;den aller Aktivit&#228;ten zusammen laufen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">Und diese F&#228;den kommen keineswegs nur aus der Region. An die 500 Produkte, sagt Roy Vercoulen, gebe es inzwischen, die ein offizielles C2C- Label haben. Knapp die H&#228;lfte davon zieren ein Aluminiumregal an den W&#228;nden des Expolab. Baumaterialien, kompostierbare T- Shirts und Handt&#252;cher, biologishc abbaubares Shampoo. Der Papierkreislauf ist vertreten mit sechsfach recycelbarem B&#252;ropapier, und einem Premiumtoilettenpapier, das bei der siebten Wiederaufarbeitung entsteht, wenn die Fasern f&#252;r den B&#252;rogebrauch zu kurz geworden sind.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">Von &#252;berall her, so der Projektmanager, nehmen Firmen Kontakt auf mit dem Venloer Expolab. Schicken ihre Produkte ein, um sie dort aus zu stellen. Das ganze soll ausgebaut werden zu einem detaillierten Online- Informationszentrum. Vercoulen erz&#228;hlt, inzwischen werde in Fachzeitschriften eine Diskussion gef&#252;hrt, welche Stadt wohl die &#8220;Cradle- Capital&#8221; sei. &#8220;Und immer &#246;fter hei&#223;t es dort, ´Venlo, da passiert es´.&#8221; Wovon dann wiederum auch die Touristen profitieren, selbst die, die nur eben mal &#252;ber die Grenze gucken wollen. Denn der Geist in Venlo, er hat sich gewandelt: &#8220;Fr&#252;her gingen wir den Deutschen aus dem Weg&#8221;, grinst Roy Vercoulen. &#8220;Heute wollen wir ihnen etwas bieten.&#8221;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal">Erschienen in Aachener Zeitung, 7. April 2012</p>
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		<title>Regierung Rutte im Reservetank</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 21:20:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[PVV]]></category>
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Am Streit &#252;ber das n&#228;chste Sparprogramm w&#228;re die niederl&#228;ndische Minderheitskoalition fast gescheitert. Nun macht sie weiter, doch ihr Spielraum wird immer kleiner. 

Die Regierung f&#228;llt – doch nicht! &#220;berrascht nahm die niederl&#228;ndische &#214;ffentlichkeit am Donnerstag mittag die Nachricht aus Den Haag zur Kenntnis. Seit drei Wochen wird dort in der Amtswohnung von Premierminister Mark Rutte [...]]]></description>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Am Streit &#252;ber das n&#228;chste Sparprogramm w&#228;re die niederl&#228;ndische Minderheitskoalition fast gescheitert. Nun macht sie weiter, doch ihr Spielraum wird immer kleiner. <span id="more-710"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Die Regierung f&#228;llt – doch nicht! &#220;berrascht nahm die niederl&#228;ndische &#214;ffentlichkeit am Donnerstag mittag die Nachricht aus Den Haag zur Kenntnis. Seit drei Wochen wird dort in der Amtswohnung von Premierminister Mark Rutte verhandelt: &#252;ber die Einsparung von mindestens 10 Milliarden Euro, um das Haushaltsloch &#252;berschaubar zu halten. Am Vortag wurden die Gespr&#228;che abgebrochen. Es hie&#223;, sie seien &#8220;in einer schwierigen Phase&#8221;. Das Wort von einer existentiellen Regierungskrise machte die Runde in Den Haag, die Oppositionsparteien spekulierten schon &#252;ber das Datum von Neuwahlen. Nun jedoch, so eine knappe Pressemitteilung, s&#228;hen die drei beteiligten Parteien &#8220;ausreichende Perspektiven um in der kommenden Zeit eine Vereinbarung zu treffen&#8221;.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Worin diese Perspektive bestehen soll, bleibt in Ermangelung inhaltlicher Details r&#228;tselhaft. Schlie&#223;lich hat es einen guten Grund, dass allenthalben mit dem Ende der Rechtskoalition unter Duldung der Populisten von der Partij voor de Vrijheid (PVV) gerechnet wurde. Die marktliberale VVD von Premier Rutte und ihr christdemokratischer Juniorpartner CDA wollen drastische Einschnitte beim Arbeitslosengeld, in Pflege und Rentenwesen sowie den K&#252;ndigungsschutz lockern. Die PVV unter Leitung von Geert Wilders ist strikt dagegen, zumal die Regierung bei ihrem Antritt 2010 bereits ein 18 Milliarden Euro schweres Sparpaket verabschiedet hat. Vor weiteren K&#252;rzungen m&#252;sse zun&#228;chst die Entwicklungshilfe drastisch beschnitten werden. Letzteres ist wiederum den Christdemokraten ein rotes Tuch, was den Spielraum f&#252;r besagten Kompromiss erheblich einschr&#228;nkt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Erschwerend hinzu kommt eine weitere Forderung der PVV: sie will ein Referendum &#252;ber einen Ausstieg aus der Eurozone. Ausgerechnet am ersten Tag der Verhandlungen hatte Geert Wilders den Report eines euroskeptischen britischen Wirtschaftsforschungsinstituts pr&#228;sentiert, wonach eine R&#252;ckkehr zum Gulden das Land billiger k&#228;me. Im Bewusstsein seiner Schl&#252;sselrolle konnte sich Wilder solche Spielchen erlauben. Die Duldung der PVV bescherte der Regierung Rutte die denkbar knappe Parlamentsmehrheit von einem Sitz. Auch der j&#252;ngste Abbruch der Verhandlungen soll darauf zur&#252;ck gehen, dass Wilders sich eine Nacht Bedenkzeit ausbat. &#8220;Hat Wilders gut geschlafen?&#8221; titelte die Website des NRC Handelsblad am Donnerstag morgen und brachte damit die Abh&#228;ngigkeit auf den Punkt, in der sich die Niederlande gegen&#252;ber der PVV befinden.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Diese Konstellation f&#252;hrte in den anderthalb Jahren seit Antritt der Regierung zu einigen grotesken Szenarien. Weil die europafeindliche PVV jede Hilfszahlung an Griechenland ablehnt, war die Koalition diesbez&#252;glich auf die Unterst&#252;tzung der Opposition angewiesen. Erst Mitte M&#228;rz verurteilte das EU- Parlament wiederum die Initiative der PVV, auf einer Website Klagen &#252;ber osteruop&#228;ische Arbeitsmigranten zu sammeln. Premierminister Rutte verweigert bis heute jegliche Stellungnahme und betont, es handele sich um einen Vorsto&#223; der PVV und nicht der Regierung.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">In den letzten Wochen indes haben sich zwei entscheidende Faktoren in dieser Rechnung ver&#228;ndert. Zun&#228;chst &#252;bernahm der junge Diederik Samsom, gerade zum Parteichef gew&#228;hlt, den Fraktionsvorsitz der Partij van de Arbeid (PvdA). Die Sozialdemokraten waren als gr&#246;&#223;te Oppositionspartei bislang ein sicherer R&#252;ckhalt der Minderheitsregierung bei europapolitischen Fragen. Anders als sein konzilianter Vorg&#228;nger Job Cohen aber machte Samsom unmittelbar deutlich, dass ein solcher Kurs unter seiner &#196;gide nicht mehr zu erwarten sei. Wenig sp&#228;ter dann verlie&#223; der Wilders- Kritiker Hero Brinkman unter lautem Get&#246;se die PVV- Fraktion, um als unabh&#228;ngiger Abgeordneter im Parlament zu bleiben. Die Regierung wolle er freilich weiter st&#252;tzen, betonte er. Deren Mehrheit, wie vielfach geschehen, als &#8220;wackelig&#8221; zu beschreiben, ist seither gleichsam ein Euphemismus.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Erhalten will man sie offenbar dennoch mit allen Mitteln. Warum, das machte Ad Koppejan, wirtschaftspolitischer Sprecher der Christdemokraten, zu Beginn der Verhandlungen deutlich. Die Regierung m&#252;sse unbedingt weiter machen, &#8220;weil sie wirtschaftliche und finanzielle Probleme anpackt.&#8221; Das &#246;konomische Beratungsorgan Centraal Plan Bureau (CPB) hatte soeben prognostiziert, das Haushaltsloch werde 2013 auf viereinhalb Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Nun soll es im Einklang mit dem europ&#228;ischen Stabilit&#228;tspakt auf drei Prozent beschr&#228;nkt werden.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Das entsprechende Konzept muss der EU- Kommission bis zum 30. April vorliegen. Andernfalls droht den Niederlanden nicht nur ein Bu&#223;geld aus Br&#252;ssel, sondern auch der Verlust ihres AAA- Status. In diesem Kontext zieht Koppejan das Fazit: &#8220;Neuwahlen kann in solchen Krisenzeiten niemand wollen.&#8221; Der Spielraum, sie zu verhindern, ist jedoch auf ein Minimum geschrumpft.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Erschienen auf <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-03/niederlande-koalition-minderheit">Zeit online</a>, 29. M&#228;rz 2012</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
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		<title>Sexual Healing an der Betonk&#252;ste</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Mar 2012 23:03:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Belgien]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Tourismus]]></category>
		<category><![CDATA[Digital Walk]]></category>
		<category><![CDATA[Marvin Gaye]]></category>
		<category><![CDATA[Ostende]]></category>

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Der King of Soul und die K&#246;nigin der belgischen Seeb&#228;der – das war eins der bizarrsten Exile der Musikgeschichte. Jetzt kann man in Ostende mit einem Digital Walk auf den Spuren Marvin Gayes wandeln. 

Geschmeidig dribbelt der b&#228;rtige schwarze Mann &#252;ber den blassgr&#252;nen Court. Er tr&#228;gt Converse- Schuhe, dazu seinen Lieblings- Adidas- Anzug in weinrot. [...]]]></description>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Der King of Soul und die K&#246;nigin der belgischen Seeb&#228;der – das war eins der bizarrsten Exile der Musikgeschichte. Jetzt kann man in Ostende mit einem Digital Walk auf den Spuren Marvin Gayes wandeln. <span id="more-707"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Geschmeidig dribbelt der b&#228;rtige schwarze Mann &#252;ber den blassgr&#252;nen Court. Er tr&#228;gt Converse- Schuhe, dazu seinen Lieblings- Adidas- Anzug in weinrot. L&#228;sst seinen Gegenspieler stehen und setzt an zum Korbleger. Der Zoom f&#228;ngt den Ball ein, der durch das Netz rauscht. Dann schwenkt die Kamera &#252;ber die dunklen Holzgeb&#228;ude, die das Sportzentrum umgeben. Errichtet wurden sie um 1900 als Pferdestall f&#252;r K&#246;nig Leopold II. 80 Jahre sp&#228;ter kommt ein weltber&#252;hmter S&#228;nger hier regelm&#228;&#223;ig ein paar K&#246;rbe werfen: Soulstar Marvin Gaye, verantwortlich f&#252;r Kaliber wie &#8220;What´s going on&#8221; und &#8220;Sexual Healing&#8221;.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Die Szene ist Teil einer speziellen Application namens &#8220;Midnight Love Digital Walk&#8221;, die das Tourismusb&#252;ro der belgischen Hafenstadt unl&#228;ngst ver&#246;ffentlichte. Die iPods k&#246;nnen Besucher vor Ort leihen und sich damit auf eine zweist&#252;ndige Spurensuche durch Ostende begeben. Auf zw&#246;lf Stationen werden sie mitttels einer Collage aus Interview- Ausschnitten, Fimsequenzen und Erinnerungen von Weggef&#228;hrten zu Zeugen eines der bizarrsten Exile der Musikgeschichte: Marvin Gayes anderthalb Jahre an der Nordsee.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Was f&#252;r eine Konstellation: der K&#246;nig des Soul und die &#8220;K&#246;nigin der Seeb&#228;der&#8221;! Ihren Beinamen verdankt die Stadt der mond&#228;nen Flaniermeile, die sie im fr&#252;hen 20. Jahrhundert war. Als Marvin Gaye sie betrat, war ihr freilich l&#228;ngst aller Glamour abhanden gekommen. Die belgische K&#252;ste war schon damals eine fast l&#252;ckenlosen Betoncorniche, und so s&#228;umte auch den Strand Ostendes jene Kette beiger Apartementblocks. Residenzen voller Reminiszenzen allesamt, mit Namen wie Belle Epoque, Beau Site oder Majestic, die nun ein wenig schrullig wirkten. Die Frage dr&#228;ngt sich auf: was, um Himmels Willen, tat ein flamboyanter Star wie Gaye hier?</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Die Antwort gibt es vorne am Meer. Dort beginnt der Rundgang, denn &#252;ber das Meer kam auch Gaye, im Februar 1981 mit der F&#228;hre aus Dover. Schwarz- wei&#223;- Aufnahmen zeigen ihn im Bug eines Schiffs, in langem Mantel und mit nachdenklichem Blick. Es ist nicht seine beste Phase, im Gegenteil. Mit Anfang 40 lautet seine Bilanz: zwei gescheiterte Ehen, vier Millionen Dollar Steuerschulden, die Karriere auf dem Tiefpunkt. Nach einer Europatour blieb er mit Drogenproblemen und depressiv in London zur&#252;ck.</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Auf der anderen Kanalseite war Freddy Cousaert damals eine schillernde Figur. Der Promoter, Clubbetreiber und Hotelier verf&#252;gte &#252;ber gute Kontakte in die britische Soulszene. Zum Entspannen und Entgiften ludt er Gaye in sein Hotel ein. Was danach kam, illustriert der &#8220;Digital Walk&#8221; mit einem wahren Erinnerungsreigen. Cousaerts Ehefrau Liliane sagt, dass &#8220;leckere Suppe&#8221; und frische Blumen dem strauchelnden Star die Ankunft versch&#246;nern sollten. Schnell wurde er zum Freund der Familie. Er posiert auf dem Sofa mit den Cousaert- Kindern und in der Hotelk&#252;che mit Fischgr&#228;ten und H&#252;hnerschenkeln. &#8220;Hier bekam er wieder Boden unter den F&#252;&#223;en&#8221;, erz&#228;hlt Tochter Pascale im R&#252;ckblick. &#8220;Vielleicht war es etwas grau, aber es war sch&#246;n.&#8221;Gaye selbst klingt eher melancholisch: &#8220;Ich bin eine Waise, und Ostende ist mein Waisenhaus.&#8221;</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Seine Spuren im Waisenhaus aber sind bisweilen verblasst. Das Eckhaus, in dem das Hotel Mercury war, beherbergt heute Wohnungen. In der Warschaustraat ein paar Bl&#246;cke weiter, wo Gaye ein Appartement bezog, zeigt die renovierte Fassade keinerlei &#196;hnlichkeit mehr mit den alten Aufnahmen. So folgt man mit iPod in der Hand und Kophh&#246;rer den Wegen eines Phantoms durch das heutige Ostende, wo l&#228;ngst nicht jeder diese Geschichte kennt. Auch damals hielten, jenseits der kleinen Szene um Freddy Cousaert, die meisten Bewohner den Soulstar f&#252;r einen der amerikanischen Basketballer des Ostender Clubs Sunair. &#8220;I´m Marvin Gaye&#8221;, stellte er sich in einer Bar- Szene auf dem Bildschirm einem Fischer vor. Der Mann fragt nach: &#8220;Where are you from? Paraguay?&#8221;</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Kontemplation statt Kokain, das war durchaus der Plan. Beinahe t&#228;glich joggte Marvin Gaye auf der Suche nach Seelenfrieden durch die D&#252;nen. Wenn er Gesellschaft wollte, zog es ihn im Schlepptau der afroamerikanischen Basketballer h&#228;ufig zum Abendessen ins ´Bistro´, ein Restaurant schr&#228;g gegen&#252;ber des markanten hellen Rundbaus namens Casino- Kursaal, der f&#252;r Gaye noch eine Rolle spielen sollte. Wenn er dort mit einem Aperitif den Abend einl&#228;utete, war er meist in Gesellschaft Freddy Cousaerts, der immer ein wachsames Auge auf ihn hatte.</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Heute hei&#223;t das Etablissement ´Jan´s Café´. Der Inhaber beider L&#228;den, Jan Van Snick, ist seit kurzem im Ruhestand. Das Marvin- Gaye- Poster aber h&#228;ngt noch immer an der Wand. Im Digital Walk ist diese Passage nicht enthalten, doch im Gespr&#228;ch deutet Van Snick im schweren Ostender Slang an, dass der Promoter durchaus mehr im Sinn hatte als einen gratis Wellness- Aufenthalt f&#252;r einen Weltstar in der Krise. ´Comeback´ hie&#223; das Zauberwort. Als Gaye einen Gitarristen suchte, brachte er einen anderen Sch&#252;tzling ins Spiel: Danny Bossaert, mit Mitte 20 schon in sieben Stilen zu Hause, darunter Soul und Funk.</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Heute ist er eine Ostender Institution als stilvollendeter Wirt des Cafés ´De Tijd´, wo man f&#252;r selbige nur allzu leicht den Sinn verliert. Bossaert kredenzt die Drinks hier standardm&#228;&#223;ig im Anzug. Die langen Haare sind zur&#252;ck gek&#228;mmt, die F&#252;&#223;e stecken in spitzen Schuhen im Schlangenmuster. Wenn man Gl&#252;ck hat, erz&#228;hlt er von dem Abend, als er zum Vorspielen in den vierten Stock der Promenaden- Residence &#8220;Jane&#8221; kam, wo Gaye inzwischen wohnte. &#8220;Irgendwann am fr&#252;hen Morgen fragte er: ´Danny, can you come back tomorrow?´ Und ich sagte, ´yes, Marvin´.&#8221;</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Nicht immer wurde bei ihren Sessions nur komponiert. Der Gitarrist r&#252;hmt noch heute die Kochk&#252;nste Marvin Gayes. Das Leitmotiv war Huhn, die Variationen zahlreich. So inspiriert, schuf Bossaer das Riff zu &#8220;Rockin after Midnight&#8221;, einem der prominentesten St&#252;cke des Comeback-Albums &#8220;Midnight Love&#8221;, das 1982 in der N&#228;he von Br&#252;ssel aufgenommen wurde. Gaye selbst, sagt Bossaer, schrieb in diesem Appartement eines nachts den Text des Songs, der ihm den Grammy bringen w&#252;rde.</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">&#8220;Sexual Healing ist hier entstanden&#8221; steht folglich auf einem vier Meter hohen Schild an der Einfahrt in die Stadt. Es zeigt das Logo des Digital Walk und wird nachts von einem Scheinwerfer bestrahlt. Marvin Gayes gr&#246;&#223;ter Verkaufserfolg ger&#228;t zum Flagschiff der Erinnerungstour, die am Casino- Kursaal ihr Ende nimmt. Dort hat man &#252;brigens auch das Denkmal wieder aus einem Seitenfl&#252;gel geholt und an prominenter Stelle im Foyer postiert. Gaye am Piano, zweieinhalb Tonnen Bronze, die bei Konzerten in feierlichem Rosélicht vor sich hin gl&#228;nzen. Manchmal machen die Besucher in der Rauchpause Handyfotos davon.</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Seine feinen Z&#252;ge verdankt das Monument einem Mann, der auf dem Midnight Love- Walk nicht vorkommt. Der K&#252;nstler Charles Dumolin wurde Marvin Gayes Nachbar, als dieser 1982 in eine Villa im D&#246;rfchen Moere im Hinterland zog. Schnell schloss er Freundschaft mit Gaye, den er als &#8220;Mann auf der Suche nach sich selbst&#8221; in Erinnerung hat. Heute wohnt Dumolin, einst Kopf der belgischen Kuschelhippieband Lester and Denwood, im nahen Br&#252;gge. In seinem Atelier in einem alten Holzhaus im Stadtzentrum, entstand in einem halben Jahr Arbeit das Denkmal. Dumolin selbst blieben noch mehr Souvenirs: als der Nachbar wegen Visumproblemen im Sp&#228;tsommer 1982 &#252;berst&#252;rzt in die USA zur&#252;ckkehrte, lie&#223; er B&#228;nder mit unver&#246;ffentlichten Songs ebenso zur&#252;ck wie Erinnerungsfotos und Notizen.</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Bei letzteren findet sich auch eine Zeichnung Marvin Gayes: das Modell eines Posters, das seinen Auftritt im Kursaal ank&#252;ndigt. Quer dar&#252;ber sollte der Schriftzug &#8220;SOLD OUT&#8221; kleben. Doch es kam anders: die K&#246;nigin der Seeb&#228;der lie&#223; den King of Soul h&#228;ngen. Knapp halbvoll war der Saal, das vermeintliche Heimspiel wurde ein Flop. Es war sein letzter Auftritt in Europa, denn Anfang 1984 wurde Marvin Gaye von seinem Vater im Streit erschossen. Die alten D&#228;monen, Depressionen und zu viele Drogen, hatten ihn l&#228;ngst wieder im Griff. Man sagt, er h&#228;tte &#252;ber eine R&#252;ckkehr nach Ostende nachgedacht.</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Erschienen in <a href="http://www.zeit.de/2012/13/Ostende-Marvin-Gaye">Die Zeit</a>, 22. M&#228;rz 2012</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal"><span style="color: #000000;"> </span></p>
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		<title>Das Klima ist h&#228;rter geworden</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Mar 2012 22:46:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[PVV]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtspopulismus]]></category>
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Seit anderthalb Jahren ist die niederl&#228;ndische Regierung von der rechtspopulistischen Partij voor de Vrijheid abh&#228;ngig. Wie hat dies das Land ver&#228;ndert? Eine Spurensuche. 

Trunkenheit: Fehlanzeige. Auch von L&#228;rmbel&#228;stigung keine Spur an diesem tr&#252;ben M&#228;rzmorgen. Selbst die Autos mit polnischen Nummernschildern, die in die Weimarstraat im Zentrum Den Haags einbiegen, parken ordentlich und wie sich das [...]]]></description>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Seit anderthalb Jahren ist die niederl&#228;ndische Regierung von der rechtspopulistischen Partij voor de Vrijheid abh&#228;ngig. Wie hat dies das Land ver&#228;ndert? Eine Spurensuche. <span id="more-705"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Trunkenheit: Fehlanzeige. Auch von L&#228;rmbel&#228;stigung keine Spur an diesem tr&#252;ben M&#228;rzmorgen. Selbst die Autos mit polnischen Nummernschildern, die in die Weimarstraat im Zentrum Den Haags einbiegen, parken ordentlich und wie sich das geh&#246;rt ein. Kein Fall f&#252;r die &#8220;Meldestelle&#8221;, die zuletzt so viel Wirbel verursachte. Eine Website hatte die PVV eingerichtet, mit einem Formular, in das emp&#246;rte B&#252;rger eintragen k&#246;nnen, was sie an osteurop&#228;ischen Arbeitsmigranten st&#246;rt. Hat ein Pole, Bulgare oder Rum&#228;ne Ihnen den Job weggenommen? Oder bel&#228;stigen Sie die Zuwanderer aus &#8220;Mittelosteuropa&#8221; durch Alkoholkonsum, Krach oder Falschparken?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Iwona Olszewska kann dar&#252;ber nur den Kopf sch&#252;tteln. Seit 12 Jahren wohnt die Mittdrei&#223;igerin aus Westpolen in den Niederlanden. Diskriminierung, sagt sie, hat sie zuvor noch nie erfahren. 2007 er&#246;ffnete sie ihren sklep in der Weimarstraat, wo sie Lebensmittel, Pflege- und Kosmetikprodukte verkauft, B&#252;cher und Zeitschriften, alles aus Polen. An einer Pinnwand in der Ecke informiert ein Poster &#252;ber das Casting zur &#8220;Miss Poland in Holland- Wahl&#8221;, Gebrauchtwagen werden angeboten, Flyer f&#252;r Niederl&#228;ndischkurse und Cellulite- Bek&#228;mpfung liegen aus. Die ganze Nachbarschaft kommt hierhin. Die Weimarstraat ist keine Parralelgesellschaft, sie ist ein geographischer Flickenteppich. Der Fischladen hei&#223;t Suezkanal, der Tabakladen Herengracht, das Fr&#252;hst&#252;ckscafé Istanbul.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Sklep bedeutet &#8220;Laden&#8221; auf polnisch, und in Den Haag, wo wegen der N&#228;he zu den Gew&#228;chsh&#228;usern im nahen Westland viele polnische Arbeitsmigranten wohnen, gibt es davon mehr als anderswo im Land. Vor f&#252;nf Jahren &#246;ffneten die Niederlande ihren Arbeitsmarkt f&#252;r die B&#252;rger der Staaten, die seit der gro&#223;en Beitrittsrunde von 2004 zur EU geh&#246;ren. Genau gegen diese Freiz&#252;gigkeit wehren sich nun die Rechtspopulisten. F&#252;r Frau Olszewska steckt dahinter die allzu durchschaubare Suche nach einem S&#252;ndenbock. &#8220;Fr&#252;her waren es die Marokkaner, nun wir. Danach kommen die Bulgaren und Rum&#228;nen, und dann nie n&#228;chsten, die f&#252;r sechs Euro in der Stunde arbeiten.&#8221;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Ein paar Kilometer weiter hat jemand ganz andere Schwierigkeiten mit dieser Mentalit&#228;t. &#8220;Sobald Probleme entstehen&#8221;, sagt Ad Koppejan, &#8220;zeigt die PVV auf eine Gruppe von Menschen. Muslime, Griechen, Polen. F&#252;r uns dagegen sind alle Menschen gleich. Gleich vor Gott.&#8221; Die Meinungsverschiedenheit w&#252;rde wenig ins Gewicht fallen, h&#228;tte Ad Koppejan nichts mit der PVV zu tun. Doch er sitzt in der Tweede Kamer, dem niederl&#228;ndischen Parlament, und zwar als Abgeordneter der Christdemokraten, die mit der marktliberalen VVD die Regierung stellt. Und weil diese in Ermangelung einer eigenen Mehrheit von der Gunst der Rechtspopulisten abh&#228;ngt, muss sich Meneer Koppejan wohl oder &#252;bel mit ihnen arrangieren.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Genau dies hat aus ihm einen der bekanntesten Politiker seiner Partei gemacht. Er ist eins der beiden Fraktionsmitglieder, das anfangs gegen eine Zusammenarbeit mit der PVV war. Genau wie ein Drittel der Basis, weswegen Koppejan auch nichts von dem Beinamen &#8220;Dissident&#8221; h&#228;lt, den ihm einheimische Medien gerne geben. Der Parteikongress im Herbst 2010, als man &#252;ber die Frage abstimmte, geriet zur Zerrei&#223;probe. Koppejan, wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion, f&#252;gt sich dem Mehrheitsbeschluss. Auf seinem Gebiet, betont er, arbeite er mit PVV- Kollegen gut zusammen. Dem niederl&#228;ndischen Ansehen im Ausland und damit dem Export hielfen deren Kapriolen aber kaum, und dass sich die Umgangsformen im Parlament durch den aggressiven PVV- Debattierstil gewandelt haben, bedauert Koppejan.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Und dennoch: der begonnene Weg muss fort gesetzt werden, davon ist er &#252;berzeugt. &#8220;Weil diese Regierung die wirtschaftlichen und finanziellen Probleme anpackt.&#8221; Der Sparkurs der Koalition steht zur Zeit wieder zur Debatte: noch immer fehlen zehn Milliarden im Haushalt. Sie zu finden, wird alles andere als leicht, denn die PVV will lieber die Entwicklungshilfe streichen statt weiterer Einsparungen. 2010, bei den Regierungsverhandlungen, lie&#223; sie sich ihre Zustimmung zum Sparkurs mit einem knallharten Kurs in der Migrationspolitik bezahlen. Weniger Zuwanderung, die obligatorischen Einb&#252;rgerungskurse m&#252;ssen selbst bezahlt werden, strenge Regeln bei Familiennachzug und doppelter Staatsb&#252;rgerschaft. Wie der Kompromiss diesmal ausfallen wird? Ad Koppejan wei&#223; nur eins: &#8220;Neuwahlen kann in diesen Krisenzeiten niemand wollen.&#8221;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Zumal Krisen der PVV durchaus in die Karten spielen. Sie liefert einfache Antworten auf komplexe Fragen. Wer geh&#246;rt zu uns, und wer nicht? Ihre Galionsfigur Geert Wilders macht nach eigenem Bekunden Politik &#8220;f&#252;r Henk und Ingrid statt f&#252;r Ali und Fatima&#8221;. Doch daneben fordert er nicht nur mehr Polizei, sondern auch &#8220;mehr H&#228;nde am Bett&#8221;. Und so hat man sich von der Koalition zusichern lassen, dass 12.000 neue Pflegekr&#228;fte in den n&#228;chsten Jahren eingestellt werden. Seit einiger Zeit pflegt die PVV ihr soziales Profil. Ihr Nein zum h&#246;heren Rentenalter opferte sie der Schl&#252;sselposition als Steigb&#252;gelhalter der Regierung. Realisiert hat sie daf&#252;r ein anderes Vorhaben: seit dem Winter gibt es 500 spezial ausgebildete &#8220;Animal Cops&#8221;, ausschlie&#223;lich um Tieresmisshandlung zu bek&#228;mpfen.</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Einer der Orte, an denen diese Mischung in den letzten Jahren an kam, ist Almere. Erst Mitte der 1970er Jahre wurde die Stadt in einem Ijsselmeerpolder gegr&#252;ndet, geh&#246;rt sie inzwischen zu den zehn gr&#246;&#223;ten des Landes. Der Traum vom Neuen Wohnen im Polder endete 2010 in einem h&#228;sslichen Erwachen. Mit rabiater Law&amp;Order- Rhetorik gewann die PVV die Kommunalwahlen, Almere wurde international bekannt als Hochburg der neuen, vermeintlich gar nicht mehr liberalen Niederlande. Dass sich dank ihrer Brachial- Agenda kein Koalitionspartner fand und die st&#228;rkste Partei in der Opposition landete, fiel da nicht mehr ins Gewicht. Der Imageschaden war angerichtet.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Inzwischen scheint sich der Wind zu drehen in Almere. Auf dem belebten Bahnhofsvorplatz f&#228;llt auf, dass die junge Stadt auf dem Grund des Ijsselmeers l&#228;ngst multikulturell ist wie die anderen Metropolen des Landes. Wer hier PVV- Sympathien hegt, trug das auch fr&#252;her nicht offen zur Schau. Zwar sehen Umfragen die Partei noch vorne, doch ihre Werte sind deutlich gesunken. H&#246;rt man sich heute im Zentrum um, l&#246;sen die Stichworte PVV oder Wilders meist Ablehnung aus. &#8220;Rassisten&#8221;, hei&#223;t es da reflexartig, und dass sie nichts verloren h&#228;tten in Almere.</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Mit einem Feierabendsnack sitzen Janet Weeteling und Maaike de Jong vor einer Ladenzeile am Bahnhof. Beide wohnen erst seit ein paar Jahren hier, doch fest steht f&#252;r sie eines: die PVV hat der Stadt nicht gut getan. &#8220;Das Klima ist h&#228;rter geworden&#8221;, sagt Maaike de Jong. &#8220;Wie Wilders Dinge anspricht, ist respektlos.&#8221; Und Janet Weeteling erkl&#228;rt: &#8220;Wenn du Zuckerfest feierst, taugst du nichts. Wenn du Karneval feierst, bist du ok.&#8221; Dass die PVV ab und an brauchbare Ideen habe, zu Themen wie Sicherheit oder Soziales, sei noch lange kein Grund, sie zu w&#228;hlen. &#8220;Die klauen sie sich bei anderen Parteien.&#8221; Ihr Urteil &#252;ber die Regierung in Den Haag ist schnell gef&#228;llt: &#8220;Ich hoffe, dass sie st&#252;rzt. Und zwar am liebsten morgen.&#8221;</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Die Spekulationen in diese Richtung entfachte Parteiikone Wilders selbst. 50-50, sagte er schon vor Wochen, seien die Chancen, dass die Regierung von seinen Gnaden die Fr&#252;hjahrs – Milliardensuche &#252;berlebe. Sollte das nicht der Fall sein, hat die PVV bereits vorgesorgt: seit Neuestem fordert sie ein Referendum &#252;ber einen Austritt der Niederlande aus der Euro- Zone. &#8220;Zur&#252;ck zur sch&#246;nsten W&#228;hrung Europas, zur&#252;ck zum Gulden!&#8221;, gab der PVV- Zeremonienmeister die Richtung vor, in der festen &#220;berzeugung, dass Henk und Ingrid vor R&#252;hrung feuchte Augen bek&#228;men. Nat&#252;rlich sei diese Forderung auch Teil eines kommenden Wahlprogramms, sagte er noch, und schaute dabei ganz unschuldig.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal; font-weight: normal">Erschienen in Aachener Zeitung, 20. M&#228;rz 2012</p>
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